Schreckstarre oder der ganz normale Start-up-Wahnsinn. Fünf Tipps gegen Überforderung

Endlich! Du hast die ersten Schritte in deinem neuen Business gewagt. Doch bereits kurz nach dem Start raucht dein Kopf, dein Herz schlägt wie wild und dein Magen scheint sich zu verknoten. So viel zu tun! Jetzt! Sofort! Alles! Du fühlst dich hoffnungslos überfordert. Keine Panik! Atme durch und versuch mit diesen fünf Tipps, einen Umgang mit der Aufgabenflut zu finden.

Im Tierreich kann die Reaktion Leben retten. Droht Gefahr, fallen einige Tiere in eine Schreckstarre. Sie bewegen keinen Muskel mehr. Meerschweinchen zum Beispiel. Oder das Opossum, das umkippt und sich tot stellt. Wir Menschen kennen die Angststarre ebenfalls: Statt zu handeln, sind wir in manchen Notsituationen wie gelähmt.

In einer milderen Form zeigt sich die Schreckstarre auch beim Einstieg in ein neues Business. Plötzlich realisierst du, was zu einem Neustart gehört. Es kommt dir so vor, als solltest du 99 Aufgaben gleichzeitig in Angriff nehmen. Einige wirken abschreckend kompliziert. Andere beängstigend umfangreich. Dazu kommt, dass du dich ständig für oder gegen etwas entscheiden musst. Jetzt gibt es keinen Chef mehr, der dir sagt, wann du was erledigen sollst. Es gibt nur dich und deine Business-Idee. Mutig wie du bist, fängst du sieben Arbeiten gleichzeitig an – und stellst keine fertig. Es ist zu viel des Guten. Du erstarrst, weisst gar nicht wie weiter.

Das Resultat: Frust und Angst übernehmen die Führung. Kann ich das überhaupt? Wo soll ich anfangen? Das schaffe ich nie. NIE! Wieso geht das bei allen anderen und bei mir nicht? Ist doch wieder typisch! Wie konnte ich nur auf die Schnapsidee mit der Selbstständigkeit kommen!

Zu deiner Beruhigung: Solche Krisen sind normal. Auch ich war am Anfang ganz kirr und wirr vor lauter To-do-Listen. Ich sah den Wald vor lauter Bäumen nicht. Zudem bildete ich mir ein, alle in der Facebook-Gruppe, in der ich in der Anfangsphase Mitglied war, hätten den Durchblick. Alle! Nur ich stand wie ein hypnotisiertes Kaninchen vor dem Aufgabenberg und kam nicht vom Fleck. Später realisierte ich, dass ich in guter Gesellschaft war: Phasen voller Zweifel und Chaos gehören dazu.

Ein Neubeginn ist ein ständiger Balanceakt zwischen «raus aus der Komfortzone» und Überforderung. Kein Wunder: Du willst viel und investierst Zeit und Geld in dich selbst. Doch wenn du ständig überfordert bist, laugt dich das aus. Du reagierst dünnhäutig, und wirst das Gefühl nicht los, deinen Aufgaben immer hinterher zu hecheln. Dabei wolltest du doch raus aus dem Hamsterrad.

Damit kein Missverständnis aufkommt: Ich meine nicht die Art von Dauer-Überlastung, die deine Gesundheit schädigt und zu einer Erschöpfungsdepression führen kann. Ich rede vom ganz normalen Start-up-Wahnsinn. Der zeigt sich übrigens nicht nur in den ersten Monaten, sondern immer wieder, wenn dein Business wächst und du vor neuen Herausforderungen stehst. Aber du lernst, anders damit umzugehen.

Diese fünf Tipps können dir helfen, den Druck zu mildern, damit du wieder mehr Freude an der Aufbauphase hast.

Tipp 1: Zerhack das Monster
Die Webseite erstellen! Das E-Book schreiben! Klingt toll. Klingt nach Überforderung. Denn solche Monster-Projekte beinhalten viele Einzelschritte. Da kommt wenig «Yippiejaja-yippie-yippie-yeah»-Begeisterung auf, auch wenn das die Baumarkt-Werbung suggeriert. Der Gefangenchor aus Nabucco passt eher zu deiner Stimmung.

Teil das Projekt daher in einzelne Aufgaben auf: «Rohfassung der über-mich-Seite schreiben». «Hintergrundrecherche für Kapitel 1». Finde die passende Grösse für jede Aufgabe, je nach Zeitbudget. Hier gilt der Grundsatz: Eine Nummer kleiner als dein Kopf dir vorgibt. Denn meist wollen wir zu viel aufs Mal.

Schreib maximal drei Aufgaben auf deine To-Do-Liste für den nächsten Arbeitstag. Nicht 13, nicht 23, auch wenn es dich in den Fingern juckt. Nur drei.

Das klingt nach wenig. Doch dann bist du fokussiert. Die Gefahr, dich zu verzetteln, sinkt rapide. Dieses Vorgehen hat zwei weitere Vorteile: 1. Die einzelnen Aufgaben überfordern dich nicht, du bist mit Freude an der Sache. 2. Du kannst immer wieder die Fertigstellung einer Aufgabe feiern. Das erhält die Motivation.

Tipp 2: Dein VIP-Treffen
Mindestens einmal pro Woche hast du einen Fixtermin mit der wichtigsten Person in deinem Unternehmen. Mit der CEO, dem kreativen Geist dahinter, der Macherin: Mit dir selbst! Nimm diesen Termin so ernst wie eine Audienz bei der Königin des Business-Traumlandes. Ein guter Zeitpunkt für dieses Gipfeltreffen mit dir selbst ist der frühe Sonntag-Abend.

Auf der Traktandenliste für die Sitzung steht: Erinnere dich mit allen Sinnen an deine Ziele. Erinnere dich, warum du diesen Weg gehen möchtest. Blicke wertschätzend auf das, was du schon erreicht hast. Bestimme deine Premium-Aufgaben für die nächste Woche: Was hat wirklich Priorität?

Falls du gleich von Anfang an Vollgas geben kannst und willst, bietet sich auch ein allabendliches VIP-Treffen an.

Tipp 3: Lass Luft rein
Plan für die einzelnen Premium-Aufgaben fixe Zeitfenster ein: Jeden Dienstag-Vormittag, neun bis zwölf Uhr: Blog schreiben. Denk grosszügig, Minuten-schinden bringt dich nicht weiter. Auch hier gilt: Wir wollen meist zu viel. Geh davon aus, dass deine Stunde 45 Minuten hat, dein Tag sechs Stunden, deine Woche vier Tage. Das lässt dir genügend Luft, um mit Freude an der Sache zu bleiben und mit Unvorhergesehenem klarzukommen.

 

 

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Tipp 4: Kling, Glöckchen, klingelingeling
Vor einer Arbeit sitzen und wirklich konzentriert daran arbeiten, sind oft zwei paar Schuhe. Gerade bei fordernden Aufgaben ist die Versuchung gross, sich ablenken zu lassen: Mails checken, Spülmaschine ausräumen, «rasch» zwei Telefonate erledigen, die Laptop-Tastatur reinigen… In Sachen Verzögerungstaktiken sind wir sehr kreativ.

Versuch es mal so: Stell dir einen Küchen-Timer auf den Schreibtisch und stell ihn auf 55 Minuten ein. Ja, ich weiss, das Handy hat auch eine Timer-Funktion. Doch wenn das Ding auf dem Tisch liegt, ist die Versuchung gross, auf Anrufe zu reagieren, auf eintrudelnde SMS und WhatsApp-Nachrichten zu schielen. Besser, du deponierst dein Telefon ausser Sicht- und Hörweite. Arbeite 55 Minuten konzentriert an deiner Aufgabe. Wenn es klingelt, stehst du auf, bewegst dich ein wenig und trinkst vielleicht ein Glas Wasser. Freu dich, was du schon geschafft hast – und stell die nächsten 55 Minuten ein.

Tipp 5: Runter von der Insel
Ja, es ist deine Business-Idee. Deine ganz allein. Das heisst nicht, dass du immer alles allein machen musst. Du bist nicht auf einer einsamen Insel. Also such dir Unterstützung! Zum einen bei ganz praktischen Dingen: Entlaste dich im Haushalt, bei der Buchhaltung oder auch bei technischen Themen, die dir nicht liegen. Niemand zwingt dich zum Beispiel, das Design deiner Webseite selber zu basteln. Investier in einen Profi statt stundenlang rumzupröbeln, bevor du entnervt alles hinschmeisst.

Such dir Verbündete, die dir immer wieder Mut machen. Das können Freunde sein, aber auch Menschen in ähnlichen Situationen. Gönn dir Unterstützung in Form eines Business-Coachings oder -Mentorings. Sieh es als Investition in dich selbst, die dir hilft, klarer zu sehen, Knoten einfacher zu lösen und schneller voranzukommen.

Ein eigenes Business aufzubauen ist kein Sprint. Stell dir eher eine Langstrecken-Wanderung vor, die durch verschiedene Wetterlagen führt: Mal kommst du auf einem breiten, gut markierten Pfad zügig voran und es umweht dich ein angenehmes Lüftchen. Mal tappst du unsicher im Nebel umher, siehst kaum die Hand vor den Augen. Mal stehst du in strahlendem Sonnenschein auf einem Gipfel und bewunderst die Aussicht. Vertrau deinem Weg! Manchmal reicht ein Schritt pro Tag. Wenn du dich jeden Tag deinem Ziel nur um ein Prozent näherst, sind es in 30 Tagen immerhin 30 Prozent. Und das kann sich sehen lassen, oder?

Wie gehst du mit Überforderungs-Attacken um? Schreib deinen Tipp in den Kommentar!

In meinem Blog veröffentliche ich regelmässig praxistaugliche Tipps und Motivations-Kicks.