Plötzlich Diva: Wenn fotografiert werden zum Drama wird.

Zierst du dich, wenn es darum geht, eigene Fotos für deine Webseite oder deinen Flyer machen zu lassen? Willkommen im Club! Warum es sich trotzdem lohnt, in professionelle Bilder zu investieren und wie du es am besten angehst.

Es war einfach nicht stimmig: Da war diese sympathische Gesundheitsfachfrau mit zig Weiterbildungen. Im Gespräch spürte ich ihre Begeisterung für ihren Beruf und wie viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen sie hatte. Doch auf der in die Jahre gekommenen Webseite ihres Einfrau-Unternehmens war sie selbst nur auf einem winzigen Bild zu sehen. Und das war ein Ausschnitt aus einem Freizeit-Schnappschuss. Auf dem gedruckten Flyer gab es ebenfalls nur einen Mini-Bildchen, diesmal ein Ausschnitt aus einem Familienfoto, wie sie erzählte. Dazu kam, dass die Auflösung für den Druck zu gering war, das Foto unscharf wirkte. «Aber das reicht doch, oder?»

Nein, tut es nicht!

Diese Art von sich-klein-machen ist weit verbreitet. Wer nicht gerade als Influencer sein Geld verdient oder Instagram-Star-Ambitionen hat, tut sich meist schwer mit Business-Fotos von sich selbst. Ich auch, oh ja. Als es um die Bilder für meine Webseite ging, brauchte es Überwindung. Obwohl ich die Fotografin gut kannte. Obwohl ich in einer vertrauten Umgebung war. Obwohl ich als Journalistin selbst oft Reportage-Bilder gemacht hatte. Doch dabei ging es um andere.

Hier ging es um mich. Ich hatte die Fotografin extra für die Bilder engagiert und wollte mehr als nur einen gelungenen Ferien-Schnappschuss als Souvenir. «Keine grosse Sache», dachte ich im Vorfeld. «Ich setzte mich einfach für einen Moment entspannt lässig in Szene, dann ist das schnell erledigt.» Die Realität sah anders aus. Von wegen lässig-entspannt! Ängstlich-verkrampft trifft es eher. Doch mit Geduld um Humor schaffte es die Fotografin, dass ich nicht mehr wie ein aufgescheuchtes Huhn in die Kamera starrte.

Bei Fotos von uns selber sind wir meist überkritisch. Gerade wenn es um die eigene Geschäftsidee geht, in der viel Herzblut steckt. Trotzdem ist es wichtig, in gute eigene Bilder zu investieren.

Weil Menschen anderen Menschen vertrauen. Und die wollen sie sehen. Ein gutes Bild zeigt, dass du zu deinem Angebot stehst: Hier bin ich, damit kann ich dir weiterhelfen.

Weil Bilder emotional wahrgenommen werden. Texte sprechen dagegen meist unseren analytischen Verstand an. Stimmen die Wahrnehmungen von Gefühl und Verstand überein, wirst du eher als kompetent eingeordnet.

Weil handgestrickte Bilder nicht professionell wirken.Du bist aber ein Profi auf deinem Gebiet. Für Laien-Bilder gibt es wenige Ausnahmen: Die «Vorher»-Foto bei  «Vorher/Nachher»-Gegenüberstellungen, zum Beispiel. Oder wenn es für deine Arbeit von Belang ist, Bilder aus deiner Kindheit oder von früheren Generationen zu zeigen.

Weil es auch um die eigene Wertschätzung deiner Arbeit geht.Wenn du starke Widerstände beim Publizieren eines Fotos von dir spürst, kann dies auch mit alten Glaubensätzen zusammenhängen, die noch mitschwingen, wie «Ich darf nicht eitel sein.» «Ich darf nicht auffallen.» «Ich bin niemand besonderes». Bist du mit allen Bildern von dir unzufrieden, egal wie professionell sie gemacht sind, stehen dir vielleicht dein Perfektionismus, deine eigenen Massstäbe im Weg.

Was braucht es für ein gutes Business-Bild?
Wie kannst du den Fototermin entspannter angehen?

Suchst du erprobte Profitipps, Mut-mach-Artikel und Interviews rund um die Selbstständigkeit und ums Schreiben?

Ich habe bei Pia Neuenschwander von Photopia in Bern nachgefragt:

Bleib echt
Verkleide dich nicht für dein Business-Foto. «Es geht darum, authentisch zu bleiben», weiss Pia. «Daher bitte ich meine Kunden meist mit zwei Outfits ins Studio zu kommen: Einmal Business-Dress, einmal Freizeit-Look.» Auch wenn es um professionelle Bilder geht, werden die Fotos im Freizeit-Look manchmal besser, weil die Leute entspannter sind. In Kostümen oder Hosenanzügen fühlen sich viele steif und ein bisschen verkleidet. Trägst du sonst kein Make-up, kannst du auch für das Foto darauf verzichten. «Für gelungene, professionell wirkende Portraits ist aber wichtig, dass die Haut nicht glänzt.» Eine mattierende Tagescreme und/oder Puder helfen.

Übrigens: Profis bearbeiten ihre Fotos. Alle. Vielleicht werden nur die Kontraste ein bisschen geschärft oder ein Schatten gemildert. Vielleicht wird aber auch die lästige Fieberblase retuschiert, die ausgerechnet beim Fototermin auf deiner Lippe prangt. Auf einem retuschierten Bild bist du nicht weniger authentisch. «Es geht um Diskretion. Es geht darum, den Blick nicht vom Wesentlichen abzulenken.» Der Aufwand lohnt sich. «Stimmt die Qualität der Aufnahme, stimmt die Ausstrahlung der Person auf dem Bild.»

Bleib klar
Erklär der Fotografin, dem Fotografen, vor dem Shooting, zu welchem Zweck die Fotos du die Fotos brauchst. Print oder Web? Besteht schon ein Design, in das das Foto passen soll? Gibt es Format- oder Farbwünsche? Hast du Stil-Vorbilder, an denen du dich orientieren möchtest? Wie viele verschiedene Sujets benötigst du? «Es sollte immer ein gutes Portrait dabei sein, das vielseitig eingesetzt werden kann.» Und natürlich: Vereinbart ein Honorar und klärt, was genau du dafür erhältst.

 Bleib professionell
Ob die Bilder im Fotostudio oder in deiner Praxis/deinem Büro gemacht werden, hängt auch davon ab, wie viel Zeit du investieren willst. In den eigenen Räumen ist es persönlicher, du wirst fassbarer, weniger austauschbar. Wichtig: Auch wenn die «Geschäftsräume» in der Startphase nur aus einer Ecke deines Wohnzimmers bestehen, sollte das Umfeld professionell wirken. Zudem lohnt es sich, Ordnung zu schaffen: Ein unaufgeräumter Hintergrund lenkt vom Wesentlichen ab.

Wie findet man eine geeignete Fotografin?
Frag im Bekanntenkreis. Wird dir jemand empfohlen, schau dir in Ruhe die Beispiele auf der Webseite der Fotografin an: Spricht mich der Stil der Fotos an? Was für ein Bild zeigt sie von sich selbst? Such vor dem Fototermin das Gespräch mit ihr und schau, ob die Chemie stimmt. Wenn du dich ungern fotografieren lässt: Überleg dir im Vorfeld, was beim Entspannen hilft. Musik? Ein Glas Prosecco?

Es braucht nicht alle zwölf Monate ein neues Business-Bild. Aber spätestens alle fünf Jahre. Meist reichen ein bis zwei Sujets. Doch für die lohnt es sich, mit einem Profi  zusammenarbeiten. Mit jemandem, dem man vertraut. «Fotografieren ist wie die Seele zeigen», weiss Pia Neuenschwander, die auch die Bilder für meine Webseite gemacht hat. «Das ist eine sehr intime Situation, die man nicht mit jedem angehen will.»

In meinem Blog veröffentliche ich regelmässig praxistaugliche Tipps und Motivations-Kicks.