Wir strengen uns an. Wir geben alles, um unsere Ziele zu erreichen. Manchmal vergessen wir dabei, warum wir sie überhaupt erreichen wollen. 

Schnee, Berge, Sonne! Ich mag den Winter in den Schweizer Bergen und freute mich sehr aufs Langlaufen im Berner Oberland. Vor lauter Begeisterung ging ich die Startrunde in der noch ungewohnten Höhenluft wohl zu schnell an – und kam schon beim ersten Hügel ins Keuchen. Prompt nutzte mein ach so reger Verstand die Situation um mir all die Bedenken in Erinnerung, die ich eigentlich im Flachland zurückgelassen hatte. War mir beim letzten Redaktionsschluss wirklich nichts entgangen? Stimmt mein Konzept für die Webseite? Hatte ich nicht noch einen Termin vergessen? Sollte ich nicht jetzt bereits mit den Vorbereitungen für den Workshop beginnen? Hast du überhaupt Zeit für Ferien? Und, und, und … Die Liste schien kein Ende zu nehmen.

Ein verlässlicher Partner

Wir wollen Ziele erreichen. Wir haben einen Zeitplan, eine Strategie, eine Struktur. Wir sind gut organisiert und packen die Dinge an. Unser Verstand übernimmt in solchen Phasen die Führung, und er macht seinen Job sehr gut. Darauf können wir uns verlassen. Das gibt uns Sicherheit. Das hält uns manchmal auch gefangen. Ein Grund für die Gedankenflut kann sein, dass unser Verstand manchmal einfach verflixt schnell agiert. Das ist in vielen Situationen ein Vorteil. Doch unser Herz- und Bauchgefühl kommen nicht immer mit. Die brauchen oft mehr Zeit, um sich auf neue Situationen einzustellen und Vertrauen zu fassen. Und bis es soweit ist, legt sich der Verstand mächtig ins Zeug. Eine weitere Möglichkeit ist, dass uns das «Warum» nicht mehr klar ist. Wenn unser Hightech-Hirn mal wieder alle Register zieht, bleibt die Motivation für unser Handeln manchmal auf der Strecke. Dabei ist sie der wahre Motor, der unseren Verstand so hochtourig funktionieren lässt.

Aus dem Kopf und in den Körper

Was hilft? Zum Beispiel folgende kurze Körperübung: Füsse wenn möglich bequem und flach auf den Boden. Zehen und Ballen spüren. Einige tiefe Atemzüge machen. Spür deinen Körper. Was nimmt du wahr? Einen heissen Kopf? Ein Grummeln im Bauch? Herzklopfen? Gar nichts? Alles ist ok, es geht nur ums Wahrnehmen. Erinnere dich an deinem «Warum» und an die guten Gefühle, die du damit verbindest. Mach noch einige Atemzüge und lass es wirken. Nach meinem kurzen Aus-der-Spur-treten wusste ich wieder, warum ich ins Berner Oberland gekommen war und schickte den Verstand mit Kusshand ins Flachland zurück. Tschüss mein Lieber, wir sehen uns nächste Woche wieder! Ich freu mich. Aber jetzt habe ich andere Prioritäten. Gemächlicher startete ich in die nächste Runde. Ich genoss es, auf den flachen Stücken die Bewegungen fliessen zu lassen. Auf den nächsten Hügel ging es diesmal in Babyschritten. Aber ich kam mit einem breiten Grinsen oben an.