Nicht in die Gänge kommen. Entscheidungen ausweichen. Sich ablenken lassen: Das sind nur einige unserer beliebten Abwehrreaktionen, wenn wir für unser Ziel unsere Komfortzone verlassen. Diese sechs Schritte können dir helfen, am Ball zu bleiben.

Siehst du das kleine Fabelwesen auf dem Bild? Eigentlich ganz süss, oder? Doch das Tierchen hat es faustdick hinter den Ohren. Es kann sich in Sekundenschnelle in ein brüllendes Monster verwandeln. Mit fiesen Fangzähnen, blutunterlaufenen Augen und gewaltigen Krallen. Denn das nette Tierchen ist ein Symbol für meinen Schwellentrolle.

Schwellentrolle zeigen sich immer dann, wenn wir unsere Komfortzone verlassen möchten. Zum Beispiel wenn es darum geht, für ein neues Projekt aktiv zu werden. Ein Projekt, das dir am Herzen liegt, bei dem du vorankommen möchtest, bei dem du vielleicht Neuland betrittst. Du willst ja etwas dafür tun, wirklich. «Aber ich weiss auch nicht, ständig kommt mir was dazwischen.» Da muss zum Beispiel dringend auf deinem Schreibtisch Staub gewischt werden. Und noch viel, viel dringender in allen Zwischenräumen der Laptop-Tastatur. Dann fällt dir ein, was du noch einkaufen müsstest, oder dass der Wäschekorb übervoll ist. Vielleicht verstrickst du dich auch in einer langatmigen Grundsatzdiskussion mit deinem Partner. Anschliessend hast du natürlich keinerlei Energie mehr, etwas für dein Projekt zu machen. Also vertagst du – und das nicht nur einmal.

Mir ging es phasenweise beim Artikelschreiben so. Etwa, wenn ich mich in einem Fachgebiet unsicher fühlte, den Bericht aber unbedingt schreiben wollte. Dann drehte meine innerliche Drama-Queen so richtig auf: Sie jammerte, schimpfte und wehklagte. Heute erlebe ich es gelegentlich, wenn ich über meinen Schatten springen möchte, der aber bedrohliche Ausmasse annimmt. Dann wird mein Schwellentroll aktiv.

Erst versucht er es auf die sanfte Art: «Ach lass doch, es ist doch nicht so wichtig. Es ist doch alles gut, so wie es ist. Was soll die Eile? Gönn dir noch eine halbe Stunde …» Nützt das nichts, greift er zu gröberem Geschütz: «Glaubst du wirklich, du kannst das? Du? Meinst du nicht, du machst dich lächerlich? Das ist doch sicher nicht der richtige Weg. Dafür gibt es doch echte Fachleute, die das viel besser können. Lern erst noch mehr und versuch es in sechs Monaten nochmals.» Klappt auch das nicht, wird er richtig gemein und trampelt in bester Hulk-Manier auf meinen Träumen herum, bis sie in Trümmern liegen.

Deine inneren Body-Guards

Schwellentrolle sind weder böse noch gemein. Aber des öfteren übereifrig. Sie wollen uns schützen, wenn wir die Sicherheit unserer Komfortzone verlassen. Sie wollen 200 Prozent sicher sein, dass wir den nächsten Schritt nicht bereuen. Wie eine innere Leibwache möchten sie uns vor dem Scheitern bewahren, vor Überforderung, vor Kritik, vor Ablehnung und manchmal vor dem Erfolg. Denn Erfolg bringt Veränderungen mit sich, und das kann ängstigen.

Stell dir einen stacheligen Kugelfisch vor, der sich bei Gefahr aufbläht. Oder eine Katze mit gesträubtem Fell sträubt, Buckel und ausgefahrenen Krallen. Genau so reagiert deine innere «Schutztruppe» auf vermeintliche Gefahr. Sie plustert sich erst mal gehörig auf und macht Lärm. Nur, weil du etwas Neues wagst, dich traust, aus der Reihe zu tanzen oder nicht mehr das machst, was die Umgebung erwartet oder gewohnt ist. Leider schiessen sie dabei manchmal übers Ziel hinaus.

 

Willst du in solchen Situationen wirklich weiter klein beigeben? Oder möchtest du deine innere Leibwache in ihre Grenzen zu verweisen und deinem Ziel ein Stück näherkommen? Dann versuch es doch mal mit diesen Tipps:

Pufferzone schaffen
Versuch, innerlich ein klein wenig Abstand zu deinen Ängsten zu bekommen. Als würdest du dich selbst von aussen beobachten. Steh dazu, dass du dir gerade selbst im Weg stehst. Werte die Situation nicht ab, bausche sie nicht auf, nimm sie einfach wahr. Stell zumindest die Möglichkeit in den Raum, dass nicht äussere Umstände dich am Handeln hindern, sondern deine eigenen Selbstzweifel.

Meet and greet
Lern deinen Schwellentroll kennen. Wie fühlt er sich an? Wie sieht er aus? Wie ein Comic-Schurke, ein Gorilla, eine Kriegerin, dein superstrenger Mathe-Lehrer, ein Wabbel-Monster? Es muss sich keineswegs immer der gleiche Schwellentroll zeigen. Deine Schutztruppe ist erfinderisch. Akzeptiere, dass dein Schutzinstinkt nicht dein Feind ist. Tritt ihm daher mit einem nachsichtigen inneren Lächeln entgegen.

Was braucht es heute?
Wie kannst du deinen übereifrigen Schutzinstikt besänftigen? Was braucht es heute dazu? Manchmal reichen Anerkennung und eine klare Ansage, wer hier der Boss ist. Deine innere Body-Guard ist für dich da, nicht du für sie. Manchmal hilft Humor und Fantasie. Drück zum Beispiel dem Gorilla in Gedanken eine Banane in die Pranke und weise ihm eine ruhige Ecke zu. Bestreu das Wabbelmonster mit Glitter. Mein Tierchen wird wieder handzahm, wenn ich es hinter den Ohren kraule.

Wenn du es mit einen von jenen Schwellentrollen zu tun hast, die einem mit Bedenken zu texten: Gib ihm eine witzige Stimme. Lass ihn oder sie zum Beispiel klingen wie Donald Duck, Jar jar Binks oder einen der Minions. Das nimmt den Bedenken die Dringlichkeit und wir können freundlich über uns selbst lächeln.

Du bist der Tempomacher
Schwellentrolle sind besonders aktiv, wenn wir viel auf einmal wollen. Vertraue deinem eigenen Tempo. Pack dein Projekt in handliche Portionen, die dich nicht jedes Mal in die Knie zwingen.

Die Gummi-Wände dehnen
Stell dir deine Komfortzone vor wie ein Luftballon aus besonders strapazierfähigem Material: Du kannst das Innere ausdehnen, ohne dass die Hülle gleich platzt. Die verträgt viel mehr als du glaubst. Also sei geduldig mit dir und bleib am Ball.

Zieleinlauf
Was ist das Ziel deines aktuellen Projekts? Worauf arbeitest du hin? Wie weisst du, dass du dein Ziel nun erreicht hast? Stell dir die Erfolgssituation vor, visualisiere sie. Möglichst detailliert und immer wieder. Das wird dir helfen, deinem Ziel treu zu bleiben.

Wie gehst du mit deinen übereifrigen Schwellentrollen um? Teile deine Anregungen im Kommentar!