Journaling in (fast) allen Lebenslagen. Teil 2: Für Einsteiger, für Krisenzeiten und bei Blockaden.

Schreiben hilft. Selbst wenn es vordergründig nicht um dein Geschäft geht. Es wirkt sich auch auf diesen Lebensbereich aus. Ich stelle dir drei Methoden für verschiedene Lebenssituationen vor.

Tagebuchschreiben war nie mein Ding. Doch vor rund acht Jahren habe ich das Journaling für mich entdeckt und bin, mit Unterbrüchen, dabei geblieben. Mir gefällt, wie der Blick dabei nicht nur nach aussen, sondern vor allem nach Innen geht – und etwas bewegt. Regelmässiges Journaling ist mehr als ein Trend. Es hilf tatsächlich, das beweisen gleich eine ganze Reihe von Studien. Einige der Vorteile:

  • Es hilft dir Ziele zu erreichen, kreativer, strukturierter und disziplinierter zu werden.
  • Es hilft dir, deine Gefühle zu akzeptieren. Alle. Auch die schwierigen wie Wut, Neid oder Eifersucht.
  • Es hilft dir, Ängste loszulassen und dich nicht in Gefühlen und Gedanken zu verlieren.
  • Es hält deine Erfolge fest.
  • Es erinnert dich an die schönen Erlebnisse in deinem Leben.
  • Es entlastet dein Gedächtnis.
  • Es erweitert deinen Horizont, macht dich klüger und hält dich gesünder.
  • Es verbessert deinen Schreibstil.

Ja wie denn?
Journaling ist an keine besondere Form gebunden. Du kannst dir ein dickes Notizbuch anschaffen und gleich loslegen. Nimm dir vor, mindestens drei Monate regelmässig zu schreiben. Das muss nicht jeden Tag sein, aber mehrmals die Woche. Am besten immer zur gleichen Zeit, zum Beispiel morgens nach dem Frühstück. Schreib mindestens fünf Minuten. Schreib über dich und sei ehrlich. Es ist egal, wie krumm die Sätze sind oder ob es Schreibfehler hat. Dein Journal ist nur für dich.

Für Einsteiger
Leere Seiten können beängstigen. Vorgedruckte Journale machen den Einstieg einfacher. Zum Beispiel
«Das 6-Minuten Tagebuch» (mit und ohne Theorieteil) von Urbestself in Paderborn. Gibt’s auch von Rowohlt. «Ein guter Plan» und «Ein guter Tag». Passenderweise von «Ein guter Verlag» in Berlin. Oder das «Klarheit Journal» und der «Klarheit Kalender» der gleichnamigen Vertriebsfirma in Köln. Oder «Wort Werk – das Journalingbuch» von Gabriele Andler.

Die Bücher sind sorgfältig gestaltet und teils in verschiedenen Farben erhältlich. Alle haben eine ähnliche Ausrichtung: mehr Achtsamkeit, mehr Selbstfürsorge, mehr Gelassenheit, mehr Freude, mehr Dankbarkeit. Sich klar darüber werden, was man tatsächlich will und Ziele im Fokus behalten.

Ob wenige fixe Fragen pro Tag oder vorgegebenen Satzanfänge: Durch das Raster wird die Hürde kleiner, ins Journaling einzusteigen und dabei zu bleiben. Dazu kommen Zitate, wöchentliche Reflexionsübungen, monatliche Self-Checklisten oder «Achtsamkeits-Ampeln».

Für wen: Wenn du frisch ins Journaling einstiegst. Wenn du schöne Bücher magst und dir vorgegebene Strukturen liegen. Wenn du nicht gerne lange Texte schreibst.

Suchst du erprobte Profitipps, Mut-mach-Artikel und Interviews rund um die Selbstständigkeit und ums Schreiben?

In Krisenzeiten
Erwiesen ist: Wer täglich für die kleinen Dinge im Leben dankbar ist, lebt glücklicher. Stecken wir in Lebenskrisen, klappt das nicht. Dann hadern mit allem und jedem. Wir fühlen uns verarscht, verraten, alleingelassen. Wir toben und wüten. Wir jammern und klagen an. Hier setzt Melody Beattie an, mit «Liebe, was du hast, dann bekommst du was du was du willst.» Der Titel ist etwas hoch gegriffen, die Methode einfach. Melody Beatttie ist eine US-amerikanische Lebenshilfe-Autorin, die viel Schweres erlebt hat. Ihr Ansatz: Akzeptieren was ist, und wenn es noch so düster aussieht. Ihr «Wunder-Workshop» dauert 40 Tage. Man kann ihn allein angehen oder mit einem Partner.

Als erstes schreibst du dir auf, welche Wunder du in dein Leben zaubern würdest, wenn du könntest. Als nächstes erstellst du eine konkrete, detaillierte Liste mit Zielen, egal wie lang. Wenn dir keine Ziele einfallen schreib «Eigene Ziele finden.» Du kannst die Liste laufend ergänzen. Sobald du das Ziel erreicht hast, hakst du es ab. Erstell eine dritte Liste mit all den Menschen, denen du grollst oder denen du nicht vergeben kannst.

Schreiben was ist
Die nächsten 40 Tage schreibst du jeden Morgen mindestens fünf Punkte zu einen dieser beiden Satzanfänge: «Heute bin ich dankbar für …» oder «Heute bin ich dankbar, dafür dass …».

Keine Rücksichtnahmen, keine Scheu, keine Pseudo-Spiritualität. Lass Dampf ab. Scheib all die Emotionen auf, die du mit dir herumschleppst: Wut, Trauer. Einsamkeit …  Schreib all die kleinen und grossen Dinge auf, die dich wahnsinnig machen oder wütend. Vom ewig kaputten Drucker bis zum Beziehungs-Aus. Es geht darum, anzunehmen was ist, ohne Ausflüchte, ohne Beschönigung, ohne Wenn und Aber.

Warum? Verdrängen wir unsere Gefühle, wird ein Problem meist noch schwerer zu lösen. Durch die «Wundermethode» schreibt Beattie «.. habe wir keine Angst mehr davor, zu sein, wer wir sind. Wir fühlen auf einmal genau das, was auch immer wir tatsächlich fühlen und wir sagen, was wir sagen müssen». So entsteht erst mal ein leerer Raum. «Wie durch ein Wunder», werden im Laufe der Zeit auch positive Dinge auf deiner täglichen Liste stehen. Langsam verändert sich dein Blickwinkel– und damit dein Leben.

Für wen:Wenn du in einer Lebensphase steckst, in der du die übliche Dankbarkeitsliste als Hohn empfindest. Wenn du bereit bist, genau hinzusehen.

Bei Blockaden
Julia Cameron, US-Autorin und Seminarleiterin, ist die Urmutter des aktuellen Journaling-Trends. Ihr Kultbuch «Der Weg des Künstlers» erschien 1992. Sie stellt darin einen Zwölf-Wochen-Prozess zur Freisetzung der Kreativität vor. Ein Teil davon sind die «Morgenseiten»

Die Spielregel dabei: Du schreibst jeden Morgen drei Seiten von Hand. Plane dafür rund 30 Minuten ein. Es ist egal, was du aufschreibst, egal wie banal es scheint. Du kannst nichts Falsches aufschreiben. Unabhängig von deiner Laune, du schreibst deine drei Seiten. Das kann so aussehen: «Ich habe keine Lust und mir fällt nicht ein. Das Schreiben nervt. Mir fällt immer noch nichts ein. Geht das jetzt drei Seiten so weiter? Ich weiss nicht, worüber ich schreiben soll. Ein Loch in der linken Socke entdeckt. Über der zweitkleinsten Zehe. Wie kommt ein Loch dahin? Soll ich darüber schreiben? So weit kommt es noch. Ich will nicht, ich will nicht, ich will nicht …»

Langeweile lohnt sich
Es macht nichts, wenn du dabei gelangweilt bist. Cameron: «Hinter der Langeweile verbirgt sich Gleichgültigkeit. Gleichgültigkeit bedeutet Angst und Angst ist ein Hinweis darauf, dass sie insgeheim verzweifelt sind. Bringen Sie also Ihre Ängste zu Papier. Bringen sie alles zu Papier. Füllen Sie drei Seiten.»

Die Morgenseiten sollen deinen Kopf von all dem zu entlasten, was deiner Kreativität im Weg steht. Damit sich das innere Kind in dir wieder zeigt, mit all seiner Begeisterung, seiner Spiel- und Experimentierfreude. Die Morgenseiten bringen uns, so Cameron, «auf die andere Seite unserer Angst, unserer Negativität, unserer Launen. Und was am wichtigsten ist, mit ihrer Hilfe lassen wir den inneren Zensor hinter uns. Dort, wo uns kein Zensor mehr dazwischen quatscht, finden wir unsere eigene Mitte.

Für wen: Wenn du deiner Kreativität mehr Platz geben willst. Wenn du bereit bist, diszipliniert Zeit in das Projekt zu stecken.

Egal welche Methode dich anspricht. Fang an. Lass dich darauf ein, auch wenn dein kritischer Verstand einmal mehr Bedenken hat. Schreib. Aufschreiben signalisiert deinem Inneren «Das ist wichtig!». Es bringt dich näher zu der Person, die du sein möchtest.

Mehr zum Thema Journaling findest du hier: Warum Journaling mehr Klarheit in dein Business bringen kann. Teil 1: das Bullet Journal https://lelavondaeniken.com/das-bullet-journal-warum-journaling-mehr-klarheit-in-dein-business-bringen-kann-teil-1/

Foto: Hannah Olinger, Unsplash

In meinem Blog veröffentliche ich regelmässig praxistaugliche Tipps und Motivations-Kicks.