Eine Web-Plattform für Wohnzimmer-Konzerte: Mit dieser Geschäftsidee machten sich Miriam Schütt (32) und Marie-Lene Armingeon (31) aus Hamburg erfolgreich selbstständig. Inzwischen hat ihr Unternehmen acht Mitarbeiter.

Miriam, was war der Startpunkt für eure Firma?

«Marie-Lene und ich waren selbst an einem Wohnzimmer-Konzert in Heidelberg und völlig begeistert. Wir fragten uns, warum es so etwas nicht mehr gibt. Daraus entwickelte sich die Idee, gemeinsam eine Plattform auf die Beine zu stellen.»

Ihr habt vorher schon zusammengearbeitet?

«Überhaupt nicht. Marie-Lene und ich kennen uns seit der Schulzeit. Wir haben schon fürs Abitur zusammen gelernt und wussten, wir sind ein gutes Team. Trotzdem gingen wir nach der Schulzeit unterschiedliche Wege. Ich studiert Betriebswirtschaft und arbeitete dann im Marketing eines großen Konzerns. Marie-Lene studierte Englisch und Spanisch mit dem Ziel, Gymnasiallehrerin zu werden.»

Wie funktioniert Sofaconcerts?

«Stell dir vor, du suchst Live-Musik für deine nächste Gartenparty. Auf unserer Plattform haben sich rund 5000 Künstler und Bands eingeschrieben, die gern auch an privaten Events  auftreten. Als Gastgeber gibst du Anlass und Ort ein, welcher Musikstil es sein soll, und wie gross das Budget ist. Die Plattform zeigt daraufhin alle in Frage kommenden Künstler an. Ist ein Gastgeber an einem Künstler interessiert, lädt er ihn unverbindlich ein. Alle Details können über die Plattform direkt mit der Band geklärt werden.»

Braucht man für so ein Live-Konzert viel Platz? 

«Nicht wirklich. Ab 15 Quadratmetern ist Vieles möglich. Die Konzerte finden fast überall statt: In Wohnzimmern, Küchen, Gärten, Treppenhäusern, Kellern oder kleinen Läden – sogar in großen Badezimmern. Wir schaffen Bühnen, die es vorher nicht gab.»  

Wie seid ihr gestartet? 

«Ich war so von unserem Projekt begeistert, dass ich meinen Job auf gab um mich voll und ganz unserem Start-up zu widmen. Marie-Lene stieg parallel zu ihrem Lehramtsstudium ein. Unsere Plattform ging Anfang 2014 online und innerhalb der ersten Stunden vermittelten wir bereits zwei Konzerte. Dann ging immer irgendwo eine Tür auf. Bald gab es die ersten Presseberichte, wir gewannen einen Preis und erhielten eine Förderung durch das Innovationsstarter-Programm der Stadt Hamburg. Am Anfang haben wir alles selbst gemacht. Heute sind wir ein achtköpfiges Vollzeit-Team.»

Was waren in der Startphase eure Themen?

«Wir haben uns immer wieder gefragt: Was genau wollen wir? Darauf haben wir alles ausgerichtet. Wir sind zwar sehr zügig an den Markt gegangen, haben aber immer wieder viel über das Geschäftsmodell nachgedacht. Da wir beide nicht aus der Musik-Branche kommen, wussten wir nicht genau, welche Fragen auf uns zu kommen. Wir haben uns Schritt-für-Schritt erarbeitet, was wir wissen müssen, zum Beispiel bei den rechtlichen Fragen.» 

Was begeistert euch heute an eurer Arbeit?

«Die vielen motivierenden Geschichten unserer Gastgeber. So hat zum Beispiel ein frischgebackener Vater ein Wohnzimmer-Konzert für seine Lebenspartnerin organisiert, da die beiden wegen des Babys kaum mehr ausgehen konnten. Eine andere Gastgeberin bringt so regelmäßig Live-Musik in ihr Dorf. Es macht Spaß, neue Künstler aus der ganzen Welt zu entdecken. Wir freuen uns, etwas geschaffen zu haben, das ankommt und gebraucht wird. 

Euer nächstes Ziel? 

«Wir möchten in Europa die erste Anlaufstelle für Wohnzimmer-Musik werden.» 

Miriams Einsteigertipp:

«Nicht endlos über eine Idee nachdenken, sondern einfach mal loslegen. Es braucht mehr Gründerinnen, und gerade Frauen dürfen sich vermehrt trauen, mit ihren Ideen nach außen zu treten. Fangt an und tauscht euch immer wieder mit anderen Gründern aus, egal was die machen. Das bringt neue Ideen und Einblicke.

Der Link zu Sofa-Concerts www.sofaconcerts.org 

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