Von der Mathematik zum Coaching, von Berlin an den Genfersee: In Daria Schymuras Leben hat sich viel bewegt. Heute bietet die Mutter eines kleinen Sohnes Coachings und Seminare für Menschen an, die entspannt essen und sich in ihrem Körper wohl fühlen wollen.

Daria, ich würde gerne ein paar Kilo abspecken. Doch eine Diät ist nicht so mein Ding.
Wie könnte ich dann an das Thema herangehen?

«Viele fühlen sich zu dick und machen daher eine Diät. Sie denken, wenn sie ihre Ernährung anders angehen und sich zum Beispiel an einen Ernährungsplan halten, ist die Sache erledigt. Doch dann merken sie: Es klappt nicht und sie schämen sich deswegen. Viele denken auch, sie seien die einzigen, die das nicht hinkriegen.»

Sie zweifeln an ihrer Selbstdisziplin?

«Ja. Dabei ist es weder ein Mangel an Selbstdisziplin noch ein Versagen. Es geht vielmehr darum, dass unser Verhältnis zum Essen über unser Unterbewusstsein gesteuert wird. Wenn wir da nicht aufräumen, funktioniert es nicht, dass wir ein entspanntes Verhältnis zum Essen und zu unserem Körper bekommen.»

Wie kamst du zu diesem Thema?

«Ich habe früher meinen Körper abgelehnt. Ich fühlte mich zu gross und zu dick. Ich messe 187 cm und bin dadurch schon in der Schule aufgefallen Ich war aber schüchtern und wollte nicht auffallen. Zu Beginn meines Studiums nahm ich dann relativ schnell zehn Kilo zu.»

Wie ging es dir dabei?

«Ich fühlte mich unwohl in meinem Körper und war verzweifelt. Ich fühlte mich als Versagerin, weil ich es nicht schaffte abzunehmen. Ich bin überhaupt nicht diszipliniert, eine Diät habe ich nie durchgehalten.» Was hast du verändert? «Es war ein langer Prozess. Es begann damit, dass ich die Methode <The Work of Byron Katie> kennenlernte. Mit dieser Methode habe ich an ganz anderen Themen gearbeitet. Doch irgendwann habe ich mich auch mit meinem Körper auseinandergesetzt.»

Wie bist du eingestiegen?

«Ich begann mich damit zu beschäftigen, was ich als Kind übers Essen gelernt hatte. Zum Beispiel brauchte ich während des Studiums in stressigen Lernphasen immer einen großen Milchkaffe und Nuss-Schokolade. Für mich hatte diese Kombination eine Art magische Wirkung: Das macht mich stark und damit kann ich mich besser konzentrieren. Es war auch eine Belohnung für die harte Arbeit. Das war mir schon damals klar, ich konnte es aber nicht ändern. Denn es blieb auf der Kopfebene.»

Was half dir beim Umsetzen?

«Erst kam die Erkenntnis: Ich habe hier den Kaffee und da die Schokolade und das ist wie ein Zaubertrank. Ich verbinde das mit Geborgenheit, Belohnung und Konzentration. Beim Umsetzen half mir «The Work». Die Methode setzt bei unseren Gedanken an, geht aber dann tiefer bis auf die Ebene des Körpers. Das war der Moment, als bei mir der Knoten geplatzt ist. Ich habe gelernt meinen Körper zu lieben und ganz entspannt zu essen. Nebenbei habe ich zwölf Kilo abgenommen. Weil ich die Methode so liebe, habe ich später die Coaching-Ausbildung für diese Methode gemacht. Und heute unterstütze ich andere Menschen dabei, mit dem Thema ‘entspannt essen und sich im Körper wohlfühlen‘ weiterzukommen.»

Hast du schon immer mit dem Thema Ernährung gearbeitet?

«Nein, ich habe in Mathematik promoviert und arbeitete fünf Jahre in der Software-Industrie. Dann hieß es, der Standort Potsdam, wo ich gearbeitet habe, würde geschlossen. Ich bekam zwar ein Angebot fürs Management, dazu hätte ich aber in die Niederlande gehen sollen. Ich war damals schwanger und wollte das nicht. Also habe ich gekündigt und entschieden, mich als Coach selbstständig zu machen. Erst in Berlin und jetzt am Genfersee, da mein Mann aus Lausanne ein gutes Jobangebot bekam.»

Wie organisierst du deine Arbeit als Berlinerin in der französischsprachigen Schweiz?

«Ich arbeite online und damit ortsunabhängig. Zum einen ist das eine Herausforderung, weil ich in Berlin lokal angefangen habe. Zum anderen ist das gut, denn wir werden sicher nochmals umziehen und dann verliere ich meine Klienten nicht.»

Was bietest du an?

«Einzelcoachings und Gruppe für Frauen und Männer, die sich in ihrem Körper nicht wohl fühlen, für die Essen ein Stress ist. Essen muss aber kein Kampf sein. Essen darf Spass machen, es kann entspannt, einfach und gelöst sein. Ich finde es so schade, wieviel Energie wir in den Kampf gegen unseren Körper investieren. Gerade wir Frauen.»

Hilft diese Coaching-Methode auch längerfristig?

«Ja, denn mir ist dabei wichtig, dass meine Kundinnen lernen, die Methode selbst anzuwenden und sich selbst zu helfen. Ich bin immer skeptisch, wenn mir in einem Coaching jemand sagt, «ich zaubere jetzt mal für dich». Dann bleibe ich von jemandem abhängig. Doch echte Freiheit gibt es nur, wenn ich die Verantwortung für mein Leben übernehme.»

Wie fandest du deine ersten Kundinnen?

«Für das erste Seminar in Berlin habe ich zuerst eigenhändig Flyer verteilt. Auf diesem Weg fand ich keinen einzigen Teilnehmer. Ganz gut lief es aber über ein Nachbarschaftsnetzwerk und über Facebook. Online meldeten sich zudem Bekannte von Bekannten, die von mir gehört hatten.»

Wie gehst du das Marketing heute an?

«Ich schreibe regelmäßig Artikel für meinen Blog, verschicke einen Newsletter und bin auf Facebook. Doch ich stehe noch am Anfang.»

Welches sind deine größten Herausforderungen?

«Da ich noch in der Aufbauphase bin, kann ich nicht gut einschätzen, was funktioniert und was nicht. Viele Investitionen sind zudem langfristig. Bis eine Webseite in Google gut rankt, braucht es Zeit. Das Verkaufen fällt mir auch nicht so leicht. Es ist ein Wachstumsprozess für mich und ein bisschen, wie neue Gewohnheiten aufbauen. Am Anfang ging es mir beim Bloggen ähnlich. Heute schreibe ich gerne Blogartikel und freue mich über die Reaktionen darauf. Ich habe das Gefühl, dadurch baue ich mir eine Community auf. Doch wenn ich weitermachen will, muss ich mein Angebot noch regelmäßiger verkaufen.»

Was motiviert dich?

«Ich liebe diese Arbeit und möchte sie weiter machen. Ich finde es berührend und schön zu sehen, wie sich bei meinen Kundinnen etwas bewegt, wie die näher zu ihrer Wahrheit kommen. Oder wenn ich an den Seminaren erlebe, wie die Menschen mit einem Leuchten im Gesicht raus gehen. Ich mag auch den Prozess selber, nicht nur das Ergebnis.»

Was hilft dir an schlechten Tagen?

«Da brauche ich Vertrauen darauf, dass es klappt. Über weite Strecken geht das gut, aber manchmal ist es eine Herausforderung. Dann tauchen Fragen auf wie: Was, wenn nicht? In solchen Momenten hilft es mir zu sehen, was jetzt gerade gut läuft. Die negativen Gedanken sind Angst vor der Zukunft. Und die Zukunft ist nicht real, das ist eine Vorstellung.»

Darias Einsteigertipp

«Such dir als Gründer eine Gruppe von Gleichgesinnten. Leute, die ähnliche Sorgen und Nöte haben wie du. In meiner Familie ist niemand selbstständig und meine Freunde auch nicht. Ich habe mich auch aus diesem Grund für ein einjähriges Mentoring-Programm entschieden. Dazu kommt: Ich wollte nicht viel Zeit und Mühe in den Aufbau investieren, um dann zu merken, dass ich in die falsche Richtung laufe. Früher habe ich mir viele Infos selbst im Netz gesucht. Doch das ist sehr zeitaufwändig. Und ich will aber nicht zehn Jahre damit verbringen, mir mein Coaching aufzubauen.»

Daria Schymuras Angebot findet sich unter www.findedeinenfrieden.com